KUNSTBEGRIFF

Hier geht es um den Kunstbegriff in der zeitgenössischen Kunst und der Kunst der Gegenwart im 20. und 21. Jahrhundert. Oft ist ein Kunstwerk nicht oder nur schwer zu verstehen, ohne dazu Hintergrundinformationen zu haben. "Was soll das?" oder "Was hat sich der Künstler denn dabei gedacht?" geht dem Betrachter nicht selten durch den Sinn. Kunst ist keine einfache, unbestreitbare Tatsache, sondern etwas Wandelbares. Kunst verändert sich und muss im Umkehrschluss auch immer als neu begriffen werden. Es geht hier nicht um das einzelne Kunstwerk, sondern um den jeweiligen Gedanken dahinter, nämlich die Kunst, wie sie uns entgegentritt. Kunst kann daher nur im jeweiligen Kontext verstanden werden. Um nachzuvollziehen, um erläutern zu können, wie ein jeweiliger Künstler seine Kunst begriffen hat, welche Position er vertreten hat und welche Wirkungsabsicht er damit verfolgt hat, ist es notwendig, Bemühungen zu unternehmen, um nach Hintergrundinformationen zu forschen.


Geschichte des Kunstbegriffs

Seit den Griechen hat sich die Philosophie mit dem Kunstbegriff auseinandergesetzt. Nach Platon und Aristoteles war ein Grundproblem der Kunst die Nachahmung der Natur (Mimesis).

Das Mittelalter kannte Kunst nur im Dienste der Religion, zur Veranschaulichung der Glaubensinhalte. In der Renaissance erfolgte eine zunehmende Lockerung der religiösen Bindung und eine Betonung des ästhetischen Wertes eines Kunstwerks. Die ersten Kunstsammlungen entstanden. Der schöpferische Akt wurde stärker betont, das Werk einzelner Künstlerpersönlichkeiten rückte in den Vordergrund. Nach Vasari ist das eigentlich Künstlerische der Entwurf (disegno).

Der Philosoph Immanuel Kant prägte im 18. Jahrhundert eine neue Vorstellung von Kunst. Seiner Auffassung nach war die wichtigste Voraussetzung das ästhetische Vermögen des Menschen. Kunstschaffen war für ihn eine Verstandesleistung. Im Gegensatz dazu entwickelte das 18. Jahrhundert den Geniebegriff. Das Schaffen von Kunst war demnach duch göttliche Inspiration möglich. Ein wichtiger Punkt für die Philosophie war der Begriff des Schönen. Hegel bestimmte das Schöne als das sinnliche Scheinen der Idee.

Im 20. Jahrhundert wurde der traditionelle Kunstbegriff hinterfragt bzw. ganz abgeschafft. Beuys' Ausspruch "Jeder Mensch ist ein Künstler" bricht auch mit dem traditionellen Geniebegriff. In der Moderne verwischen sich die Grenzen zwischen den einzelnen Kunstgattungen (Gesamtgunstwerk). Unbearbeitete Gegenstände werden als Kunstwerke ausgestellt (ready-made). Handwerkliches Können bestimmt nicht mehr den Kunstbegriff. So hat z.B. der Einzug der Fotografie 1826 den naturalistischen Anspruch abgelöst. Später malte Pollock mit seinen Drip Paintings ohne den Pinsel noch aufzusetzen.

Quelle: www.wissen-digital.de/Kunst


Einordnung (Kontextualisierung)

Grundsätzlich lassen sich künstlerische Arbeiten in diverse Kontexte einordnen, aber nicht immer sind es die gleichen. Geeignete Kontexte können formal, inhaltlich, historisch, politisch, gesellschaftlich, biografisch, motivgeschichtlich, epochenspezifisch, werkspezifisch, gattungsspezifisch usw sein. Um ein Werk zu betrachten oder später zu analysieren, ist es notwendig, es zunächst seiner Gattung zuzuordnen. Nicht immer ist dies eindeutig möglich. Hier findest du eine Übersicht einiger Gegenwartskünstler, deren Hauptwerke formal einer Gattung zugeordnet sind.

Kunstgattungen (Gegenwartskunst ab 1945)

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Kunstgattungen | Gegenwartskunst
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Künstler-Checklisten (Kunstbegriffe)

Wie kann die jeweilige Kunst begriffen werden? Hier findest du einige Zusammenfassungen zu Künstlern implizit exemplarischer Werkbeispiele um daran den jeweiligen Kunstbegriff festzumachen. Es sind zusammenfassend sämtliche Kontexte berücksichtigt, das jeweilige Anliegen formuliert und die Arbeitsmethode sowie die damit verbundene künstlerische Strategie erfasst. Arbeite selbst nach diesem Schema. Sammle basale Informationen zu dem Künstler, mit welchem du dich gerade beschäftigst und trage sie auf diese Weise zusammen. So bewahrst du den Blick auf das Wesentliche. Erst wenn du einen profunden Überblick verschiedener Künstler erarbeitet, und diesen inhaltlich durchdrungen hast, wirst du in einer analytischen Auseinandersetzung die Auslegung des jeweiligen Werkes in das breite Spektrum der Kunstgeschichte navigieren können.

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Aleksandra Mir *1967
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Anselm Kiefer *1945
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Rosemarie Trockel *1952
Rosemarie Trockel künstlerische Position
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Karin Kneffel *1957
karin Kneffel Künstlerische Position.pdf
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Katharina Fritsch *1956
Katharina Fritsch künstlerische Position
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Anmerkung: Aufgrund der sprachlichen Vereinfachung wurde hier der geschlechtsneutrale Singular und Plural verwendet.