PERSPEKTIVE + RAUM

Räumliche Darstellung

Der Begriff Perspektive steht im räumlichen Kontext für Ansicht, die sich je nach Standpunkt des Betrachters verändert. Um ein Bild räumlich aufzubauen, bedarf es einiger grundsätzlicher Regeln. Diese Grundzüge umfassen den Umgang mit Größenvariationen innerhalb des Bildes. Sie spielen im konstruktiven perspektivischen Aufbau eine wichtige Schlüsselfunktion. Denn je dichter der dargestellte Gegenstand am Betracher liegt, desto größer erscheint er. Je weiter er vom Betrachter entfernt liegt, desto kleiner erscheint er. Die räumliche Bildwirkung lässt sich darüber hinaus durch Überlappungen, Staffelungen, Kontrastierungen und Blickwinkel steigern. Um architektonische Baukörper zu veranschaulichen können Zeichnungen durchaus maßhaltig ausfallen. Dies unterstützt das räumliche Planen. Die Körper erscheinen dann aber unnatürlich.


ISOMETRIE

Die isometrische Darstellung kommt völlig ohne Verzerrung aus. Sie bleibt insgesamt maßhaltig und winkeltreu. Alle Linien bleiben innerhalb ihrer Gattung parallel: senkrechte, waagerechte und die Tiefenlinie. Man könnte auch von einer Parallelperspektive sprechen.

Sonderlich anschaulich können Räume damit nicht visualisiert werden. Dennoch birgt die Isometrie im Gegensatz zur verzerrten Perspektive den Vorteil, dass sich innerhalb der Darstellung tatsächliche Maße nachvollziehen lassen. Innenraumvisualisierungen profitieren daher von dieser Perspektive. Da unser gewohnter Blick aber von der perspektivischen Verjüngung in der Tiefe ausgeht, erscheinen diese Darstellungen unwirklich. Die Parallele in der Tiefe der Zeichnung lässt den Betrachter glauben, der Körper würde immer breiter werden, da die Tiefenlinien nicht zusammenlaufen.


ZENTRALPERSPEKTIVE

Die Entwicklung der Zentralperspektive ist eine konstruktive Errungenschaft, welche aus der Renaissance hervorgeht und dem italienischen Maler und Entwickler Leonardo da Vinci zugeschrieben wird. Dabei wird der Raum konstruktiv mit einer Flucht aufgebaut. Sämtliche Tiefenlinien laufen auf einen sogenannten Fluchtpunkt zu. Dieser liegt im Zentrum des Bildes und saugt die Tiefenlinien quasi an.

 

Die obere waagerechte Linie stellt den Horizont bzw. die Horizontallinie dar. Dieser liegt auf der Höhe unseres Auges. Den Horizont als solchen nehmen wir im Alltag jedoch eher selten als Linie wahr, da unser Blick oft verstellt ist. Am Meer hingegen bildet die Trennung von Himmel und Wasser eine gut erkennbare Linie. Je höher der Betrachter steht, desto mehr sieht er vom Untergrund, aber weniger vom Himmel. Die Horizontallinie rückt dann im Bild nach oben, was diese Abbildung verdeutlicht. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von der Vogelperspektive. Geht der Betrachter aber sehr weit nach unten, so erhalten wir eine Untersicht, die beispielsweise dem Frosch vorbehalten ist. Das erklärt die Bezeichnung Froschperspektive. Steht der Betrachter jedoch "normal" beim Betrachten, dann gibt es keine besonderen Abweichungen zu unserem gewohnten Blick und wir sprechen von der "Normalperspektive".

Bei der Konstruktion von Kuben bleiben waagerechte Linien waagerecht und senkrechte Linien senkrecht. Nur die Tiefenlininien laufen schräg auf den Fluchtpunkt zu und stehen daher auch nicht parallel zueinander. Vereinfacht kann man nach diesem Prinzip einen Straßenzug konstruieren, der rechts und links mit einer simplen Architektur flankiert ist.



ÜBERECKPERSPEKTIVE

Die Übereckperspektive stellt das Bild ebenfalls räumlich dar, kommt allerdings nicht mehr mit nur einem Fluchtpunkt, wie in der Zentralperspektive aus, sondern verlangt nach einem zweiten, da der Betrachter "über die Ecke" in zwei Richtungen und damit zwei Fluchten schaut. Nun gibt es bereits zwei Gattungen an Fluchtlinien, die jeweils schräg in die Flucktpunkte laufen. Nur die Senkrechten bleiben hier senkrecht und damit parallel zueinander.

Nach diesem Prinzip können auch Quader übereinander gelegt und gegeneinander verdreht werden. Dann verschieben sich lediglich die Fluchtpunkte (I + II / III + IV), der Augenpunkt bleibt aber einheitlich auf der selben Horizontallinie.


Mit dieser Perspektive lassen sich auch komplexere architektonische Bilder aufbauen. Wenn man zwei Fluchtpunkte übereinander setzt, erhält man konstruktiv bereits eine milde Verzerrung sowohl in die Höhe als auch in den unteren Bildbereich.

Dieses frontalperspektivisch gezeichnete Portal birgt zwei Fluchtpunkte, die sich in der Vertikalen gegenüber liegen. Einer von ihnen schwebt über dem Modul, der andere befindet sich im unteren Drittel der Eingangstür auf der Augenhöhe des Betrachters.


KONSTRUIEREN MIT DREI FLUCHTPUNKTEN

Bei der Darstellung extrem hoher Module bietet sich eine weitere zweckgebundene Verzerrung des Dargestellten an: Eine weitere Flucht nach oben muss nun herhalten. Damit gibt es überhaupt keine Parallelen mehr. Die Verzerrung kann man etwas mildern, indem man die Fluchtpunkte außerhalb des Bildes platziert. Maskingtape greift den Untergrund nicht an und erweist sich auch in diesem Fall als Allrounder!


ÜBERSTEIGERTE PERSPEKTIVE

In der perspektivischen Darstellung werden Räume in der Erweiterung um die zweite Dimension visualisiert. Sie wirken daher nicht mehr flach, sondern tief. An dem oberen Beispiel der Straßenflucht ist der konstruktive Aufbau des Bildraumes gut nachzuvollziehen. Denn in der Verlängerung der architektonischen Streben, bzw. der ins Bild laufenden Kanten sind durch die Tiefenlinien auszumachen, die in der Verlängerung auf einen Punkt im Zentrum des Bildes zuzulaufen scheinen. Dieser liegt auf der Augenhöhe des Betrachters. Das Bild entspricht der Zentralperspektive.

Die Zentralperspektive kommt in der frontalen Ansicht in der Regel mit einem Fluchtpunkt aus. Dieser liegt im Zentrum des Bildes, woher sich auch die Benennung abgeleitet hat. Senkrechte Linien bleiben in der Konstruktion senkrecht und waagerechte Linien waagerecht. Ausschließlich die Tiefenlinien laufen auf den Fluchtpunkt zu und werden daher schräg dargestellt.

Übersteigert man dieses Prinzip jedoch, so erhält man eine anschauliche Darstellung, die an eine Verzerrung erinnert, welche reflektierende runde Oberflächen begünstigen, Kugeln beispielsweise. In dieser zentralperspektivischen Konstruktion bleibt der zentrale Fluchtpunkt bestehen. Die Senkrechten und Waagerechten laufen nun aber am Raster der Kugeloberfläche orientiert in den jeweiligen Fluchtpunkt, der im Schnittpunkt des senkrechten und waagerechten Durchmessers liegt. So kommen diesem konstruktiven Beispiel also vier Fluchtpunkte hinzu.

Download
Gewölbte Oberfläche Hilfsmittel
Hier kannst du dir ein konstruktives Netz herunterladen, um daran die übersteigerte Perspektive zu üben. Zeichne dir dazu den zentralen Fluchtpunkt mittig ein und erarbeite dein Bild dann nach dem oben beschriebenen Beispiel.
gewölbte Oberfläche.pdf
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