WOHNDESIGN

Am Beispiel des EAMES PLASTIC SIDE CHAIR

Der Plastic Chair von dem US-amerikanischen Architekten- und Designerpaar Charles und Ray Eames war ursprünglich aus Fiberglas gefertigt. Die Idee, einen stapelbaren Stuhl zu bauen, hatten sie bereits Ende der 1930er Jahre. 1948 bauten sie ihn schließlich anlässlich der "Low Cost Furniture Design" Ausstellung und erzielten damit den zweiten Platz. Der Stuhl bediente den Wunsch der Nachkriegsgesellschaft nach Leichtigkeit.

Der Stuhl war seinerzeit erschwinglich und setzte mit seinem neuartigen Design Akzente. Die Glasfasern waren in der ursprünglichen Methode der Fertigung noch dezent sichtbar und verliehen der Sitzschale einen seidigen Glanz auf der Oberflächenstruktur. Die Sitzschalen waren in einer überschaubaren, zeitgemäßen Palette eingefärbt. Der Stuhl erschien ebenfalls in unterschiedlichen Materialkombinationen konfigurierbar auf dem Markt. Es gab ihn mit Ahornbeinen in gelblich oder schwarz, stapelbar oder mit Eiffelturm-Verstrebung als Gestell. Die Sitzschale wurde temporär auch aus einem Drahtgeflecht gefertigt. Der Stuhl war ergonomisch geformt und gewann rasch an Popularität. In den 1970er Jahren kam er nach Übersee und erlebte um 2012 seine Renaissance. Im Kontext des minimalistischen skandinavischen Designs taucht er inzwischen häufig auf. Möbelstücke werden nur dann zum Klassiker, wenn sie mit der Zeit gehen, sich immer wieder behutsam verändern und weiterentwickeln. Andernfalls werden sie zu Museumsstücken. Diese verstauben dann irgendwann im Depot. Vitra hat aktuell verlauten lassen, dass es doch möglich ist, den Fiberglass Chair gefahrlos im Originalmaterial verarbeiten zu können!

Ikone

Als Designikone versteht man einen Entwurf, der über einen äußerst langen Zeitraum nicht an Popularität und Beliebtheit eingebüßt hat. Der Eames Plastic Side Chair (DSW "Dining Sidechair wood base") mit gelblichen Ahornbeinen und einer Sitzhöhe von 43 cm ist seit 1999 100% recyclebar, da er nicht mehr aus dem umweltunverträglichen Polyersterharz mit Glasfasern, sondern aus dem neuen Material Polypropylen gefertigt wird. Das Material wird nicht porös, schwingt leicht mit und bricht nicht. Laut Hersteller soll der Stuhl bald auch wieder im Originalmaterial erhältlich sein (Stand: Juni 2018).


UPCYCLING UND REDESIGNG

Wiederverwendung von Werkstoffen und Neugestaltung von Klassikern

Manche Designer benutzen Werkstoffe, die nicht fabrikneu sind, sondern wiederverwendet werden. Beim Upcycling werden aus Abfall oder scheinbar nutzlosen Materialien neue Produkte gefertigt, wodurch es zu einer stofflichen Aufwertung des ursprünglichen Materials kommt.

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Arbeitsblatt Produktdesign | Wohndesign
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