In diesem Themenbereich hat der Kurs praktisch die optische Täuschung erprobt und erkundet, wie Künstler die Sehgewohnheiten irritieren. Dabei hat er die geometrischen Grundformen Quadrat und Kreis durch eine gezielte Verzerrung mittels der Kreuzkontur in ihrer geordneten Rhythmik aufgelöst und damit eine räumliche Bildillusion erzeugt. Sie haben die Kunstströmung der Op Art am Beispiel Viktor Vasarelys erkundet und kennen gelernt.
In dieser Unterrichtseinheit erprobten die Schülerinnen und Schüler die Vielperspektivität. Am Beispiel Picassos kubistischer Umsetzung "Blick auf Horta" (1909) hat der Kurs geometrische Grundformen erkannt und den Begriff Perspektive diskutiert. Durch zeichnerische Vorübungen entwickelten sie ein Verständnis für die kubistische Auffassung von Raum, Perspektive und Form, bei der verschiedene Ansichten gleichzeitig sichtbar gemacht und zu einem neuen Gesamtbild verdichtet werden.
Ausgehend von Erscheinungsbildern unterschiedlichster Verbindungen, etwa Rohrsystemen, Verkehrsnetzen oder Nervenbahnen, entwickelten die Schüler und Schülerinnen des 6. Jahrgangs eigene Leitungswelten. Im Mittelpunkt stand die Ellipse als zentrales Gestaltungsmittel beim perspektivischen Zylinderschnitt. Durch das bewusste Konstruieren und Überlagern und Verbinden entstanden komplexe, teils verspielte Systeme, die an technische Installationen erinnern. Zur Förderung der kreativen Vielfalt, durfte wahlweise auf eine Frontalansicht ohne die Ellipse als perspektivisches Mittel zurückgegriffen werden. Entscheidend waren dabei eine überzeugende kompositorische Anordnung und die gezeichnete Materialität um Tiefe und Räumlichkeit zu erzeugen. In ihrer skurrilen Vielschichtigkeit erinnern die entstandenen Arbeiten an die offene Fassadenarchitektur des Centre Pompidou in Paris. Das Wechselspiel zwischen Konstruktion, Ordnung und künstlerischer Freiheit wurde hier in der eigenen Auseinandersetzung überführt.
Wie verändert sich unsere Wahrnehmung, wenn wir von unten nach oben schauen? Diese Frage stand am Beginn der Unterrichtseinheit zur Zentralperspektive im 6. Jahrgang. Ausgangspunkt war Michelangelos berühmte Marmorskulptur "David", ein Meisterwerk der italienischen Hochrenaissance, das bewusst gegen die Gesetze der realen Proportionierung geschaffen wurde. Michelangelo vergrößerte Kopf und Hände des "David", um der perspektivischen Verkürzung entgegenzuwirken, denn die Statue war ursprünglich dazu gedacht, von unten betrachtet zu werden. Anschließend übertrugen die Schülerinnen und Schüler das konstruktive Prinzip, um Raum, Größe und Wirkung darzustellen auf eine Stadtszene aus der Froschperspektive. Dazu inspirierten Hochhäuser in New York. So entstanden Kompositionen, in denen Gebäude scheinbar in den Himmel wachsen.
In dieser Unterrichtseinheit erforschte der sechste Jahrgang im Arbeitsfeld der Malerei die Wirkung von Farbe auf Raum. Durch den gezielten Einsatz von Farbtemperaturen, Kontrasten und Verblauung wurde räumliche Tiefe erzeugt. Vorder-, Mittel- und Bildhintergrund treten in der Tiefenstaffelung in Beziehung zueinander. Das Landschaftsbild wird hier nicht mehr als Idylle begriffen. Durch aktuelle Fragestellungen wie Wandel und Fragilität unserer Umwelt entstanden Bildräume, die über das Abbildhafte hinausgehen.
Im Spannungsfeld bewegter Bildsequenzen gestaltete der 6. Jahrgang kurze Handlungsabfolgen mit hintersinnigen Bezügen zu Phänomenen aus Gesellschaft, Politik und Natur. Nicht selten ergaben sich daraus virulente Szenen, welche durch die Betrachtung Roy Lichtensteins monumentaler Comiczitate befeuert wurden. Aber auch Hoffnung stand neben dem Anmahnenden hoch im Kurs.
Der sechste Jahrgang hat sich mit Ernährung und Lebensgewohnheiten auseinandergesetzt. So sind bestimmte Esssituationen mit Emotionen verknüpft. Wer hat nicht schon einmal aus Frust gegessen oder sich mit Essen für etwas belohnt. In diesem Zusammenhang entwarfen sie auf grafischer Basis Superburger und folgten dabei dem Prinzip des Schichtens und Stapelns. In Anlehnung an die Werke "Floor Burger" (1962) des schwedisch-amerikanischen Künstlers Claes Oldenburg und "Supermarket Lady" (1970) von Duane Hanson stellte sich die Frage, ob dies überhaupt noch Fastfood- oder bereits Symbolbilder für Überfluss sind. Oldenburgs Werke irritieren durch Überdimensionierung und Verschiebung der Wertevorstellung, was Kunst darf. Was sagt der eigene Superburger also über Essverhalten und Konsum aus?